Wie ich bereits im vergangenem Jahr angekündigt habe, werde ich an dieser Seite ab 1. Februar aus gesundheitlichen Gründen nichts mehr machen - vielleicht ab und an mal ein neues Fotoalbum.. Ihr könnt gerne meine Haupseite unter epmgermany.spaces.live.com (Meine Seele spiegeln...)besuchen, ich würde mich freuen. Danke für Eure Treue.
Ich möchte Euch eine besinnliche und stressfreie Vorweihnachtszeit wünschen. In diesen Tagen denkt so mancher an die Armen Menschen dieser Welt. So geht es mir auch – allerdings bewegen sich meine Gedanken nicht nur um die 3. Welt, wo Hunger und Armut leider an der Tagesordnung sind – sondern ich denke an die zunehmende Armut in unserem Land. Zu viele Menschen leben unter dem Existenzminimum – hungern, frieren in ihren Wohnungen, wenn sie eine haben und sind alleine gelassen. Wie viele, vor allem ältere Menschen, verbringen das Weihnachtsfest alleine. Haben keine Angehörigen und wissen nicht wie es für sie weitergehen soll. Vermehrt rinnen Tränen der Einsamkeit und der Zukunftsangst. Denken wir auch an die Obdachlosen, die auf der Straße leben müssen, weil sie vielleicht ihre Arbeit, ihre Familie oder ihre Gesundheit verloren haben. Hier greift unser Staat nicht wirklich. Eher wird über Erhöhungen der Diäten von Politikern abgestimmt und diese wie bisher genehmigt, als dass ein Sozialbedürftiger Mensch eine kleine Hilfe bekommt. Weiterhin muss ich an die Kinder denken, denen schlimmes angetan wird. Ob innerhalb der Familie oder durch Fremde. Kinder, die nicht mit strahlenden Augen unter dem Weihnachtsbaum stehen, sondern mit Tränen in den Augen einsam ihrem Schicksal ergeben sind. Sie alle, ob jung oder alt brauchen Zuwendung, brauchen jemand der ihnen zuhört, sie mal in den Arm nimmt. Ausländerfeindlichkeit, ein Wort, nein mehr ein Zustand, den es nicht geben dürfte und doch wird es immer schlimmer. So hat es doch schon mal in unserer Geschichte angefangen. Nein bitte keine Wiederholung! Diese und noch viele andere Gedanken gehen mir in diesen Vorweihnachtlichen Tagen durch den Kopf und machen mich traurig. Gehen wir auf die Menschen zu, sagen wir ihnen ein liebes Wort und hören ihnen zu, damit tun wir sehr viel. Nicht nur für sie ach für uns selber. Denn es tut gut nicht nur zuzusehen (wegzusehen), sondern mit den wenigen Mitteln die wir haben, zu helfen.
Seemärchen Und als die Nixe den Fischer gefaßt, Da machte sie sich abseiten; Sie schwamm hinaus mit lüsterner Hast, Hinaus in die nächtlichen Weiten. Sie schwamm in gewaltigen Kreisen herum, Bald oben, bald tief am Grunde, Sie wälzt' mit dem Armen sich um und um Und küßt ihm das Rot vom Munde. Drei Tage hatte sie Zeitvertreib Mit ihm in den Meeresweiten Am vierten ließ sie den toten Leib Aus ihren Armen gleiten. Da schoß sie empor an das sonnige Licht Und schaute hinüber zum Lande; Sie schminkte mit Purpur das weiße Gesicht Und nahte sich singend dem Strande.
Wie Könige die schließlich nur noch schreiten fast ohne Ziel, nur um von Zeit zu Zeit sich den Verneigenden auf beiden Seiten zu zeigen in des Mantels Einsamkeit -:
so steigt, allein zwischen den Balustraden, die sich verneigen schon seit Anbeginn, die Treppe: langsam und von Gottes Gnaden und auf den Himmel zu und nirgends hin;
als ob sie allen Folgenden befahl zurückzubleiben, - so daß sie nicht wagen von ferne nachzugehen; nicht einmal die schwere Schleppe durfte einer tragen.
Herbstbild Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah! Die Luft ist still, als atmete man kaum, Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah, Die schönsten Früchte ab von jedem Baum. O stört sie nicht, die Feier der Natur! Dies ist die Lese, die sie selber hält, Denn heute löst sich von den Zweigen nur, Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.
Die Menschen meiner Altersgruppe haben sich verändert. Sie sehen alle viel älter aus als ich. Kürzlich traf ich einen Schulkameraden, der so gealtert ist, dass er mich nicht erkannt hat. Als ich heute morgen meine Haare kämmte, dachte ich an den Ärmsten, und als ich mich im Spiegel sah, stellte ich fest, dass Spiegel auch nicht mehr sind, was sie einmal waren.
Vieles ist anders als früher. Es ist zwei Mal so weit zum Park und nun auch noch ein Berg dazwischen. Es kommt mir so vor, als würden sie die Treppen heute steiler machen. Und ich habe längst aufgegeben, zum Bus zu rennen- der fährt jetzt schneller weg wie früher.
Zeitungen lesen fällt jetzt schwerer, weil sie die Schrift verkleinert haben. Es hat auch keinen Sinn; jemanden zu bitten etwas vorzulesen, denn jeder spricht so leise, das man ihn kaum hört.
Die Klamotten sind neuerdings so eng geschneidert, besonders um die Hüften. Es fällt mir immer schwerer, mich zu bücken um meine Schuhe zu binden.
Auch glaube ich, dass das Jahr nicht mehr wie früher 365 Tage hat. Hat der Tag noch 24 Stunden ? Ein Freund von mir hat seinen Rentneralltag einmal so beschrieben: Morgens um 7 Uhr läutet der Wecker, kurz darauf beginnt die Tagesschau. Wartezimmer beim Arzt sind mir fast so vertraut wie mein Wohnzimmer. Unlängst wollte ich meinen Fernseher anmachen aber wo der steht saß ein anderer Patient. Vor wenigen Wochen hat ein Arzt meinen Nachbarn, der nur zwei Jahre älter ist als ich, gesagt in seinem Alter lohne sich diese Operation nicht mehr. Ich könnte noch viele Dinge aufzählen, wenn sie mir nur einfallen würden.
Aber eines freut mich und zeigt mir, dass ich doch noch nicht so alt bin. Ich bin unverändert kontaktfreudig und lerne jeden Tag neue Menschen kennen. Einige von denen sagen allerdings, sie würden mich schon lange kennen ?!
Im Laufe der letzten Jahre habe ich festgestellt, dass Karl Valentin recht hatte mit seiner Aussage :“Die Zukunft war früher auch besser.“
Beginn des Endes Ein Punkt nur ist es, kaum ein Schmerz, Nur ein Gefuehl, empfunden eben; Und dennoch spricht es stets darein, Und dennoch stoert es dich zu leben. Wenn du es andern klagen willst, So kannst du's nicht in Worte fassen. Du sagst dir selber: "Es ist nichts!" Und dennoch will es dich nicht lassen. So seltsam fremd wird dir die Welt, Und leis verlaesst dich alles Hoffen, Bis du es endlich, endlich weisst, Dass dich des Todes Pfeil getroffen. Theodor Storm)
Wie man die Höhe eines Wolkenkratzers mit einem Barometer feststellen kann. Das nun folgende war wirklich eine Frage, die in einer Physikprüfung, an der Universität von Kopenhagen, gestellt wurde:
"Beschreiben Sie, wie man die Höhe eines Wolkenkratzers mit einem Barometer feststellt."
Ein Kursteilnehmer antwortete: "Sie binden ein langes Stück Schnur an den Ansatz des Barometers, senken dann das Barometer vom Dach des Wolkenkratzers zum Boden. Die Länge der Schnur plus die Länge des Barometers entspricht der Höhe des Gebäudes."
Diese in hohem Grade originelle Antwort entrüstete den Prüfer dermaßen, daß der Kursteilnehmer sofort entlassen wurde. Er appellierte an seine Grundrechte, mit der Begründung dass seine Antwort unbestreitbar korrekt war, und die Universität ernannte einen unabhaengigen Schiedsrichter, um den Fall zu entscheiden.
Der Schiedsrichter urteilte, dass die Antwort in der Tat korrekt war, aber kein wahrnehmbares Wissen von Physik zeige. Um das Problem zu lösen, wurde entschieden den Kursteilnehmer nochmals herein zu bitten und ihm sechs Minuten zuzugestehen, in denen er eine mündliche Antwort geben konnte, die mindestens eine minimale Vertrautheit mit den Grundprinzipien von Physik zeigte.
Für fünf Minuten saß der Kursteilnehmer still, den Kopf nach vorne, in Gedanken versunken. Der Schiedsrichter erinnerte ihn, dass die Zeit lief, worauf der Kursteilnehmer antwortete, dass er einige extrem relevante Antworten hatte, aber sich nicht entscheiden könnte, welche er verwenden sollte.
Als ihm geraten wurde, sich zu beeilen, antwortete er wie folgt: "Erstens könnten Sie das Barometer bis zum Dach des Wolkenkratzers nehmen, es über den Rand fallen lassen und die Zeit messen die es braucht, um den Boden zu erreichen. Die Höhe des Gebäudes kann mit der Formel H = 0.5g x t im Quadrat berechnet werden. Das Barometer wäre allerdings dahin!
Oder, falls die Sonne scheint, könnten Sie die Höhe des Barometers messen, es hochstellen und die Länge seines Schattens messen. Dann messen Sie die Länge des Schattens des Wolkenkratzers, anschließend ist es eine einfache Sache, anhand der proportionalen Arithmetik die Höhe des Wolkenkratzers zu berechnen.
Wenn Sie aber in einem hohem Grade wissenschaftlich sein wollten, könnten Sie ein kurzes Stück Schnur an das Barometer binden und es schwingen lassen wie ein Pendel, zuerst auf dem Boden und dann auf dem Dach des Wolkenkratzers. Die Höhe entspricht der Abweichung der gravitationalen Wiederherstellungskraft T=2 pi im Quadrat (l/g).
Oder, wenn der Wolkenkratzer eine äußere Nottreppe besitzt, würde es am einfachsten gehen da hinauf zu steigen, die Höhe des Wolkenkratzers in Barometerlängen abzuhaken und oben zusammenzählen.
Wenn Sie aber bloß eine langweilige und orthodoxe Lösung wünschen, dann können Sie selbstverständlich den Barometer benutzen, um den Luftdruck auf dem Dach des Wolkenkratzers und auf dem Grund zu messen und der Unterschied bezüglich der Millibare umzuwandeln, um die Höhe des Gebäudes zu berechnen.
Aber, da wir ständig aufgefordert werden die Unabhängigkeit des Verstandes zu üben und wissenschaftliche Methoden anzuwenden, würde es ohne Zweifel viel einfacher sein, an der Tür des Hausmeisters zu klopfen und ihm zu sagen: "Wenn Sie einen netten neuen Barometer möchten, gebe ich Ihnen dieses hier, vorausgesetzt Sie sagen mir die Höhe dieses Wolkenkratzers."
Der Kursteilnehmer war Niels Bohr, der erste Däne der überhaupt den Nobelpreis für Physik gewann ...
An die Sonne Frau Sonne, diesmal trifft sie's nicht, Wenn sie von meinem Liede Sich nichts, als Schmeichelei, verspricht; Ich bin des Lobens müde. D'rum höre sie: Trotz ihrem Glanz, Und Strahlenrock und Sternenkranz, Trotz ihrer gold'nen Scheitel, Ist sie ein Weib - und eitel. Bespiegelt und begäffelt sie Sich nicht in jedem Teiche? Begeht sie nicht, so spät als früh, Die tollsten Weiberstreiche? Ein wunderschöner Lebenslauf! - Geschminkt steht sie des Morgens auf, Geschminkt geht sie zu Bette, Wie eine Erzkokette. Sie prätendirt, die ganze Welt Soll sich in sie vergaffen; Sobald ihr's aufzusteh'n gefällt, Da soll kein Thier mehr schlafen: Der Hahn muß auf zum Morgengruß, Sogar die Sonnenblume muß Den Seladon ihr spielen, Und stets nach ihr nur schielen. Sie glaubt, die Vögel übeten Für sie nur ihre Kehlen, Und schämt sich nicht, uns Schlafenden Die Frühmusik zu stehlen: Und können Abends die nicht mehr, So müssen Frösch' und Grillen her, Und ihr ein Tutti singen, Um sie in Schlaf zu bringen. Auch ist sie gar zu sehr erpicht, Mit ihrem Reiz zu prahlen, Stets soll er uns in's Angesicht Ganz ohne Schleier strahlen; Schlei'rt ihn ein Sommerwölkchen ein, So blitzt und donnert sie darein Bei hellen Thränengüssen, Bis sie den Schlei'r zerrissen. Da schwimmt nun ihre Majestät In einem Meer von Glanze, Und wo sie nur vorübergeht, Da huldigt Strauch und Pflanze. Die armen Blümchen dauern mich, Sie bücken bis zur Erde sich; Kein's darf das Köpfchen heben, Bis sie sich wegbegeben. Doch, daß sie niemand d'rum besieht, Wie ihr die Runzeln lassen, So pflastert sie sich täglich mit Demanten und Topassen: Das treibt sie bis zum Augenweh; Doch pflegte sie im Negligé Nur einmal auszugehen, Wir würden Wunder sehen. Mit schönen Mädchen treibt sie gar Ein jämmerlich Spektakel: Nimmt sie nur ein's von weitem wahr, Husch schüttelt sie die Fackel, Und brennt die feinste Lilienhaut So kohlpechschwarz, daß einem graut Und könnte sie, ich glaube, Sie brennte sie zu Staube. Doch wissen ihr auch ritterlich Die Schönen Trotz zu bieten, Und kämpfen gegen ihren Stich Mit Fächer, Schirm und Hüten: D'rum hat Madam wohl hundertmal Gewünscht: Ha! daß die Dirnen all' Von Schmalz und Butter wären, Wie wollt' ich sie zerstören! Zwar, daß sie gern sich trägt zur Schau, Ließ sich noch übersehen; Doch ihre Neugier, gnäd'ge Frau, Ist gar nicht auszustehen. Denn, weil sie grosse Augen hat, So, meint sie, dürf' in Feld und Stadt Nichts unbegafft geschehen, Sie müsse alles sehen. Da guckt, wenn man im Bett noch liegt, Sie durch die Fensterscheiben, Kein Mädchen will, so ungeblickt, Dann mehr im Bette bleiben: Das thut sie bloß aus Eifersucht: In Grotten und in Lauben sucht Sie sich hineinzustehlen, Die Liebenden zu quälen. Ey pfui, Madam, so kurios Ist wohl kein Weib auf Erden. So muß denn alles, klein und groß, Von ihr beglasaugt werden? Was hilft's? verkröche man sich auch Selbst in der Mutter Erde Bauch, Sie ist im Stand der Alten Den Bauch entzwei zu spalten. Sie selbst gibt doch den Frauen kein Gar sonderlich Exempel. Wo sie ist, trollt Herr Mondenschein Sich flugs hinaus zum Tempel. Man weiß ja wohl Frau Ueberall, Warum sie diesen zum Gemahl Vor allen auserlesen - Weil er stockblind gewesen. Kein so verbuhltes Weib gibt's nicht Im Himmel und auf Erden; Bekäm' Herr Mond sein Augenlicht, Er müßte rasend werden. Bis mit den Sternen sie nicht satt Gebuhlt und liebgeäugelt hat, Eh pflegt sie ihren Grauen Nicht einmal anzuschauen. Sie kann, so oft es ihr gefällt, Ein Schnippchen ihm versetzen, D'rum trägt er auch vor aller Welt Zwei Hörner zum Entsetzen; Und will der Hahnrei seinem Weib Zuweilen näher auf den Leib, So kriegt er finst're Blicke Und muß beschämt zurücke. Sie läßt sich zwar die Königin Des Sternenhimmels schelten; Allein den königlichen Sinn Muß man genug entgelten: Sie sengt und brennt ja mörderlich, Und weiß dabei - recht königlich, - Für ihre Hand voll Weizen Des Pflügers Haut zu beizen. Gibt sie die eine Hand uns voll, So nimmt sie mit der andern: Sie geht ja um mit Kraut und Kohl, Als wie mit Salamandern: Mit ächter Königspolitik Versenget sie oft Stück für Stück, Die Felder und die Saaten, Läßt Trauben nur gerathen. Ey, für ein königliches Haupt Heißt das sich sehr vergessen, Wenn man von Unterthanen glaubt, Sie könnten Kohlen fressen. Nicht wahr, Frau Klug, ihr fiel nicht ein, Daß man beim allerbesten Wein Und einer leeren Tenne Fein hübsch verhungern könne. Man nennt mit Recht sie das Modell Von königlichen Geistern, Die mit dem ersten Blicke schnell Ein ganzes Weltall meistern: Denn auch Madam mit ihrem Licht Sieht alles - nur sich selber nicht, Und wird an sich die Flecken Wohl nimmermehr entdecken. Ich aber bin nicht undankbar, Daß ich von ihr gebeichtet, Was lang mir auf dem Herzen war, Indeß sie mir geleuchtet; Denn, um für ihren Sonnenschein Ihr gar nicht obligirt zu sein, Schrieb ich an dem Gedichte Nur Nachts - beim Kerzenlichte.
RegenSommer Nasser Staub auf allen Wegen! Dorn und Distel hängt voll Regen Und der Bach schreit wie ein Kind! Nirgends blüht ein Regenbogen, Ach, die Sonn' ist weggezogen Und der Himmel taub und blind! Traurig ruhn des Waldes Lieder, Alle Saat liegt siech darnieder, Frierend schläft der Wachtel Brut. Jahreshoffnung, fahler Schimmer! Mit den Menschen steht's noch schlimmer, Kalt und träge schleicht ihr Blut! Krankes Weib am Findelsteine Mit dem Säugling, weine! weine Trostlos oder hoffnungsvoll: Nicht im Feld und auf den Bäumen - In den Herzen muss es keimen, Wenn es besser werden soll! Fleh' zu Gott, der ja die Saaten Und das Menschenherz beraten, Bete heiss und immerdar, Dass er, unsre Not zu wenden, Wolle Licht und Wärme senden Und ein gutes Menschenjahr!
Das Unglück lieben Das Unglück lieben - o das heißt, Durch Dorngestrüppe, das uns blutig, Das uns das Kleid vom Leibe reißt, Im Dunkel gehn, am Abgrund mutig; Es heißt nicht gehn im Sonnenschein, Jedoch auch leiden nicht allein. Das Unglück lieben heißt, zugleich Verachtung, Spott und ohne Klagen, Gefaßt auf jeden Wetterstreich, Der Erde Doppellast ertragen, Dem süßen vorziehn bittern Trank Und ernten, ach, nur kargen Dank. Das Unglück lieben heißt, ein Kind Mit heim von öder Straße nehmen, Beschützen vor dem rauhen Wind, Heißt, harten Sinn und Stolz beschämen, Selbst nicht vor Trotz und Widerstand Zurückziehn seine Retterhand. Das Unglück lieben heißt, nicht Flaum Und weiche Polsterdecken lieben, Doch die, die umgehn wie im Traum, Die Ärmsten, die zurückgeblieben, Errettend wiederum hervor Geleiten, zu dem Glück empor. Das Unglück lieben heißt, die Not Des Erdendaseins ganz empfinden, Die Ohnmacht vor dem Machtgebot, Dem kein Geschöpf sich kann entwinden, Heißt streifen an des Engels Flug, Der auf die Welt das Mitleid trug. Hermann von Lingg (1820-1905)